Parodontitis

Parodontitis – umgangssprachlich auch Parodontose genannt – ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates. In einem schubweisen Prozess zerstört sie den Zahnhalteapparat und den den Zahn umgebenden Knochen. Der Zerstörungsprozess verläuft für den Patienten in der Regel über Jahre und Jahrzehnte unbemerkt, kann aber bei aggressiven Formen auch wesentlich schneller voranschreiten. Langfristige Symptome sind Zahnwanderungen, Zahnlockerung und letztendlich der Verlust von – oft kariesfreien – Zähnen.

Entstehung

An der Entstehung der Parodontitis sind eine Reihe von Bakterien beteiligt, die im Zahnbelag (Plaque) in unterschiedlicher Zusammensetzung vorkommen. Ohne Plaque gibt es also auch keine Parodontitis!

Die Stoffwechselprodukte der Bakterien lösen im Zahnfleisch eine oberflächliche Entzündung aus – Gingivitis genannt.

In diesem Stadium ist die Erkrankung noch völlig reversibel, also ausheilbar, es entstehen noch keine bleibenden Schäden!

Besteht eine solche Zahnfleischentzündung über längere Zeit und kommen unter Umständen noch andere, die Entzündung unterstützende Faktoren hinzu, kann der Körper das Gleichgewicht zwischen angreifenden Bakterien und abwehrenden Zellen im Zahnfleisch nicht mehr halten und die Bakterien können tiefer in den Zahnhalteapparat vordringen, wo sie eine meist chronische Entzündung hervorrufen, die auf die Dauer das komplette zahntragende Gewebe zerstört:

Zunächst wird das Bindegewebe um den Zahn lockerer, es entstehen sogenannte „Taschen“, ideale Schlupfwinkel für weitere Bakterienvermehrung. In dem Versuch, diese Bakterien vom sensiblen Körperinneren fernzuhalten, baut nun das Immunsystem selbst die Weich- und Hartgewebe um den Zahn herum schubweise weiter ab, bis der Knochen um den Zahn zerstört ist, dieser locker wird und sich schließlich aus dem Verbund löst.

Risikofaktoren für eine Parodontitisentstehung

Nicht jeder Mensch hat das gleiche Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken. Zwar sind die im Zahnbelag vorkommenden Bakterien die Hauptursache für die Erkrankung, jedoch wird die Reaktion des Immunsystems auf deren Angriffe von verschiedenen Faktoren zusätzliche negativ beeinflusst:

Erbliche Veranlagung kann die Wahrscheinlichkeit, an einer Parodontitis zu erkranken, erhöhen. Insbesondere bei jungen Patienten, die an einer aggressiven Krankheitsform leiden, spielt die Genetik des Immunsystems eine große Rolle.

Rauchen beeinträchtigt in hohem Maße das Immunsystem und kann das Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken, deutlich erhöhen. Zudem verengt das Nikotin des Zigarettenrauchs die Blutgefäße, sodass Zahnfleischbluten als Warnsignal „versteckt“ wird. Es ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des Tabakkonsums und der Schwere von parodontalen Erkrankungen nachgewiesen.

Diabetespatienten haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken (und umgekehrt!). Die erhöhten Zuckerwerte im Blut bei schlecht eingestellter Diabetes schwächen das Immunsystem und nähren die für die Zahnfleischerkrankung verantwortlichen Bakterien.

Auch psychischer Stress schwächt das Immunsystem und kann die Entzündung des Zahnhalteapparats verstärken.

Erkrankungen das Immunsystems wie Aids erleichtern die Entstehung einer Parodontits.

Außerdem beeinflussen verschiedene Medikamente, z.B. gegen Bluthochdruck oder Immunsuppressiva nach Organtransplantationen, das Zahnfleisch negativ, können hier Wucherungen hervorrufen, die wiederum die Entstehung einer Parodontitis begünstigen.

Achtung Bakterien!

Die Parodontitis verursachenden Bakterien verbleiben nicht nur in der Mundhöhle, sondern gelangen über das Blutsystem in den gesamten Organismus, wo sie nachweislich auf andere schwere Erkrankungen negativen Einfluss ausüben können:

Schon lange bekannt ist eine negative wechselwirkende Beziehung zwischen Parodontitis und Diabetes (s.o.).

Des weiteren finden sich auch Parodontalbakterien und deren Stoffwechselprodukte in den Ablagerungen von Blutgefäßen (Arterienverkalkung). Eine Beteiligung dieser Bakterien bei Erkarnkungen wir Schlaganfall oder Herzinfarkt wird vermutet. Auch bei selteneren entzüdlichen Erkrankungen der Herzinnenhaut und Herzklappen sind nachweislich Bakterien aus der Mundhöhle beteiligt. Die Bakterien stellen vor allem für künstliche Herzklappen, aber auch Knie- oder Hüftprothesen eine Gefahr dar. 

Auch ein Zusammenhang mit Frühgeburten wird vermutet.

Wie kann man einer Parodontitis vorbeugen?

Wichtigste Säule der Parodontitisprophylaxe ist die häusliche Mundhygiene. Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt zeigen, wie Sie mit für Sie persönlich geeigneten Hilfsmitteln Zähne und Zahnzwischenräume effektiv reinigen!

Trotz guter häuslicher Mundhygiene verbleiben in jedem Gebiss Schlupfwinkel, die Sie selbst nicht oder nur schwer erreichen können. Hier kann professionelle Zahnreinigung helfen. Die Häufigkeit der Prophylaxetermine richtet sich immer nach den Eigenheiten der Mundhöhle und dem aktuellen Erkrankungsrisisko.

Regelmäßige Kontrolle durch Ihren Zahnarzt ermöglicht ein frühzeitiges Erkennen von Zahnfleischerkrankungen und somit eine Behandlung, wenn noch kein oder zumindest wenig dauerhafter Schaden entstanden ist.

Minimieren Sie Ihre Risikofaktoren: eine Raucherentwöhnung oder die gute Einstellung eines Diabetes hilft nicht nur Ihrem Zahnfleisch, sondern kommt ihrem gesamten Organismus zugute.

Behandlung von Zahnfleischerkrankungen

Eine Gingivitis heilt in der Regel allein durch Verbesserung der Mundhygienetechniken, eventuell in Kombination mit einer professionellen Zahnreinigung, vollständig aus.

Die Behandlung der Parodontitis hat zwei Ziele: die akute Entzündung einzudämmen und die Gewebe des Zahnhalteapparates bestmöglich zu erhalten. Wichtigste Säule ist auch hier die persönliche Mundhygiene, deshalb kann eine Parodontitisbehandlung langfristig nur durch Ihre Mitarbeit erfolgreich sein.

Nach einer Vorbereitungsphase mit professioneller Reinigung und Verbesserung der Mundhygienetechniken werden die verbleibenden „Taschen“ unter Lokalanästhesie gesäubert und desinfiziert. Bei sehr schweren oder aggressiven Verläufen ist unter Umständen eine begleitende Antibiotikatherapie sinnvoll.

In einigen Fälle können verbleibende sehr tiefe Taschen durch mikrochirurgische Eingriffe minimiert werden oder sogar Gewebe durch Einlagerung von wachstumsteuernden Proteinen oder Knochenersatzmaterial wieder aufgebaut werden.

Da Parodontitis zu den chronischen Erkrankungen zählt, ist es mit dem Abschluss der Initial- und chirurgischen Therapie nicht getan. Es verbleiben fast immer Resttaschen und leicht verlängerte Zahnhälse. In der sogenannten Erhaltungstherapie werden diese Schlupfwinkel meist mehrmals jährlich professionell gereinigt. Regelmäßige Kontrolle verbleibender Taschen ermöglicht es bei einem Wiederaufflammen der Entzündung frühzeitig einzugreifen. So kann der Knochenabbau oft über Jahre und Jahrzehnte gestoppt oder zumindest verlangsamt werden.

Was zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Untersuchung und Diagnosestellung sind Leistung der Krankenkassen. Für eine professionelle Zahnreinigung gibt es bei den meisten gesetzlichen und Ersatzkassen zumindest Zuschüsse. Eine Parodontalbehandlung mit Reinigung der Taschen wird von den Kassen nach Antragstellung übernommen, wenn eine entsprechende Vorbehandlung, z.B. PZR, erfolgt ist. Die nachfolgend nach wissenschaftlicher Erkenntnis notwendige dauerhafte Nachbehandlung (Unterstützende Parodontitistherapie) wird häufig bezuschusst. Eventuell notwendige Maßnahmen zum Wiederaufbau des Knochenlagers sind Privatleistungen.

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Zahnärztlicher Notdienst